WhatsApp, der einarmige Bandit…

Zum Abschluss meines MBA-Programms in Kalifornien, unternahmen wir einen Road Trip nach Las Vegas. Eine eindrucksvolle Stadt. Voll mit Kontrasten, nicht nur bei den bunten Lichtern, sondern auch bei den Besuchern der Casinos. WĂ€hrend einige in hippen Outfits sich bei dem einen oder anderen Drink amĂŒsierten, gibt es auch jene an den „Slot-Machines“ vulgo „einarmige Banditen“, die stundenlang auf die drehenden Symbole starren und auf den Jackpot hoffen.

Wie hypnotisiert drĂŒcken sie auf den immer gleichen Knopf oder ziehen bei den Automaten im Retro-Look am seitlich angebrachten Hebel. Immer wieder eine Niete, hin und wieder auch ein paar gleiche Symbole, die den Kontostand wieder mal mehr, mal weniger und teilweise sogar deutlich ins Plus bringen. Leider können die Wenigsten mitten in einem guten Lauf nach Hause gehen, sondern spielen weiter, bis das Casino den Gewinn wieder abgenommen hat.

Aber was hat das jetzt mit den kleinen (Whats)Apps zu tun, die uns mit kleinen Zahlen anzeigen, dass es etwas Neues gibt. Oder auch mit unserem BĂŒroalltag, in dem wir immer wieder unsere Mails checken? Auf dem ersten Blick nicht viel – aber nur auf dem ersten Blick. Sie folgen nĂ€mlich dem gleichen Prinzip und sprechen in unserem Gehirn das gleiche Belohnungszentrum an. In der Psychologie spricht man von „variable interval reinforcement schedule„, einer Ă€ußerst wirksamen Methode der Konditionierung: FĂŒr ein bestimmtes Verhalten gibt es in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden eine Belohnung. Dadurch wird dieses Verhalten verstĂ€rkt. Besonders wirkungsvoll funktioniert es, wenn die Belohnung vor allem anfangs höher oder öfters ausfĂ€llt.

Bei Slot-Maschinen ist das gewĂŒnschte (Sucht-)Verhalten, das Setzen eines Einsatzes durch DrĂŒcken auf den Knopf fĂŒr das nĂ€chstes Spiel und die Belohnung der Gewinn.

Bei dem kleinen, unscheinbaren Blick auf sein Handy, ob es neue Nachrichten (aka. Tweets, News, Likes, etc.) gibt, wirkt unbewusst das gleiche Prinzip, wenn auch nicht so offensichtlich: in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden ist auch etwas Erfreuliches dabei. Privat können das Likes oder lustige Bilder sein, aber auch bei den beruflichen Mails (die im Übrigen auch konzentriertes Arbeiten unterbrechen) ist immer wieder etwas Nettes dabei: ein Dankeschön, eine Lob, eine interessante Information.

Im beruflichen Kontext gibt es natĂŒrlich Jobs, wo es tatsĂ€chlich nötig ist unmittelbar auf E-Mails zu reagieren, aber Hand auf’s Herz: frage dich sehr kritisch, ob dein Job wirklich dazugehört. FĂŒr alle, die zu der großen Mehrheit gehören, die nicht unmittelbar auf E-Mails reagieren mĂŒssen, sondern wo es reicht, binnen 4 oder 8 Stunden zu reagieren, gibt es zwei zentrale Konzentrations- und somit Leistungsbooster:

  1. Schalte die Benachrichtigung beim Eingang neuer Mails ab!
  2. Bearbeite deine E-Mails geblockt: zB vor dem Mittagessen und vor dem Heimgehen.

Im privaten Umfeld sieht es Ă€hnlich aus: seien es Apps mit Börsen-News oder Schmink-Tipps auf Instagram: diese Plattformen leben davon, Werbung zu platzieren, die möglichst oft gesehen und angeklickt werden sollen. WhatsApp zeigt keine Werbung, dafĂŒr lernt der Mutterkonzern Facebook darĂŒber das Benutzerverhalten, um mit diesen Daten wiederum relevantere (und somit lukrativere) Werbung zu platzieren.

Auch hier gibt es Ă€hnliche Strategien, die uns davor schĂŒtzen können, stĂ€ndig die News und Eintrage von Social Media Plattformen zu konsumieren:

  1. Schalte alle App-Benachrichtigungen aus (vor allem Töne).
  2. Wenn du bemerkst, dass du wirklich zu viel Zeit mit Social Media verbringst: Deinstalliere die App. Du kannst ja immer noch am Computer deine Updates posten.

Mich hat diese Sucht-Erkenntnis zum Nachdenken gebracht. Ich muss zugeben, dass ich mich immer wieder bei dem einen oder anderen neugierigen Blick in meine Inbox ertappe, obwohl ich eigentlich etwas anderes fertigmachen sollte. Wenn ich es bemerke: 5-4-3-2-1 und wieder zurĂŒck an die Arbeit, die Belohnung gibt’s danach! Schreib doch in den Kommentaren, wie es dir damit geht.